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Potpourri 2013

Vier Kinder im Alter von ca. neun Jahren sitzen auf der Fensterbank des Ladenlokals von Eva Brachten in Mönchengladbachs Gründerviertel Eicken. Ein erstes Pressefoto. Der Fotograf des Potpourri-2013 kniet vor ihnen, die Kamera im Anschlag. Die Kinder halten Kissen vor sich, Kissen, die sie selbst genäht haben. Ich betrete das Ladenlokal und werde von zwei Mädchen begrüßt. Die achtjährige Julia Holz bietet mir eine Schokolade an, während ein anderes Mädchen an der Nähmaschine einer jungen Erwachsenen Nähmuster erklärt. Eva Brachten erklärt, die Arbeiten seien in einem Nähkurs in Zusammenarbeit mit dem Abenteuerspielplatz Konzenstraße der Stadt Mönchengladbach in einem vier Tägigen Nähkurs in den Winterferien entstanden. Ursprünglich sei eine Altersgruppe von 10 bis 15 Jahren geplant gewesen, so die Leiterin des Abenteuerspielplatzes, Frau Beate Mergelsberg. Doch das Alter der Angemeldeten streckte sich von 7 Jahren bis 21. Die Workshopgruppe bestand nicht nur aus  Mädchen. Ein Junge, erzählt Frau Brachten, habe sogar seine Freundin sitzen lassen und wünsche sich nun zum Geburtstag eine eigene Nähmaschine. Die Arbeiten der Kinder reichen von Kissen über Miniaturhundedecken und kleinen Figuren hin, bis zur eigenen Mütze.

Diese Ausstellung besuche ich im Rahmen des Potpourri-Festivals 2013. Mönchengladbachs erstes Jugend-Kultur-Festival. Eine Organisation der Jugendlichen des Horst-Teams. Ein Festival von Jugendlichen für Jugendliche. Alle Aussteller und Künstler seien unter 21, so das Potpourri Team im Laufe des Abends. Das Festival findet dezentral in mehreren Locations statt. Alle in Eicken. Im TiG (Theater im Gründerviertel) befindet sich die Mainlocation. Am Freitag Abend fand hier ein Bandcontest statt, bei dem fünf Bands teilgenommen haben. Von denen nun heute zwei Bands erneut spielen. Der Gewinner darf dieses Jahr beim großen Bruder, dem Horst-Festival, spielen.

Mein Weg führt mich weiter zum nächsten Ladenlokal. Von Außen sehe ich zwei sehr gemütliche Sessel im Schaufenster stehen. Als ich den Raum betrete stechen mir insgesamt sechs Fotografien ins Auge. Arbeiten der Studentinnen Barbara Beer, Janine Vohwinkel und Lisa Mittelstädt. Zum einen wird das Projekt “Grenzziehung” ausgestellt. Eine Arbeit im Rahmen des Studiums, inspiriert durch einen Text von Michael Ondaantje. Arbeiten, beiden die Drei mit dem Hintergrund verschmelzen, indem sie sich farblich passend gekleidet haben. Zudem wird Lisas Bildreihe “African Beauty” gezeigt. Kurz vor verlassen des Raumes erst, sehe ich, dass noch eine weitere Arbeit im Fenster hängt. “Frau 2013″ von Lisa Mittelstädt. Im Großen und Ganzen schwingt ein wenig Stolz mit der Luft und das zu Recht.

Ich beschließe nun zum weitest entfernten Ladenlokal zu laufen. Zum Einen, um die laufende Ausstellung zu betrachten und zum Anderen, weil dort gleich eine “Poetry Jam” stattfinden soll. Der große helle Raum zeigt  Arbeiten des Künstler Joel Lüder. Abstrakte Arbeiten aus Öl auf Leinwand und Zeichnungen. Zwei große Leinwände hängen an einer Rückwand aus Europaletten. Die anderen Arbeiten reihen sich an der weißen Wand entlang. Joel zeigt immer wieder die selbe Figur. Ich setze mich auf die Couch und habe die Gelegenheit mit Joel zu sprechen. Er ist Student der Kunstakademie Düsseldorf im siebten Semester. Neben einer Rundgangsausstellung innerhalb seines Studiums ist dies seine Erste. Während wir in unseren Plausch vertieft sind, wird Joel angesprochen. Ein Herr möchte gerne einen Preis für eine Zeichnung wissen. Er mache den Preis davon abhängig, wie sehr er an der Arbeit hinge, antwortet er mir auf die Frage, wonach er sich richtet bei der Preisbestimmung. Weiter erklärt er, dass er sich meist recht schwer tut, seine Arbeiten preislich zu bewerten. Ich habe nun endlich die Gelegenheit einen zeitgenössischen Künstler zu fragen, ob wirklich bewusst hinter jedem Pinselstrich eine Message steckt. Wenn, baue er sie offensichtlich ein, erzählt er mir, weiter wundere er sich oft, was seine Professoren bei der Bewertung seiner Arbeiten alles für Sehnsüchte in ihm entdecken. Schließlich räumt er ein, dass es sicherlich unterbewusst so sein mag. Schließlich frage ich ihn, was ein bestimmtes Bild koste, das Einzige von ihm, was mit ohne wenn und aber gefällt. Und ich muss zugeben, dass ich wieder weiß, warum ich mir keine Kunst kaufe.
Am Ende des Gesprächs weist Joel mich noch auf die Photographien der Künstlerin Jennifer Köhler hin. Sie zeigt insgesamt acht Arbeiten, leider verpasse ich an diesem Abend die Gelegenheit mit ihr zu sprechen.
Nach einer kleinen Kunstpause vor der Tür geht es auch fast pünktlich los mit der Poetry. Den Auftakt macht die vierzehnjährige Olivia Boz. Sie liest zwei sehr klassische Gedichte vor. Um ehrlich zu sein wider meiner Erwartung. Im Programmheft wird angekündigt, dass es ihr erster Auftritt vor Publikum sei. Das wiederum merkt man ihr nicht an. Sie liest souverän un flüssig. Da ich kein guter Zuhörer bin, kann ich hier leider nicht wiedergeben, was sie schreibt. Aber ich kann sagen, dass es verdammt gut war. Nach Olivia liest Simon Scheeres seine Texte. Da die Anwesenheit eines kleinen Kindes seinen Vortrag ziert gibt er den kleinen Hinweis, dass dies die Jugendfreien Texte seien. Er wirkt auf mich ein wenig chaotisch, wobei ich schnell daran denken muss, dass das Genie ja nun das Chaos beherrscht. Seine Texte lassen mich zumindest nachdenken. Sie entbehren jegliche Form, was sie interessant macht. Zuletzt liest Anna Rhönisch. Sie liest voller Emotionen, ihr Atmung, muss ich zugeben reiß meine Atmung mit. Ich spüre förmlich die Bewegung des Textes. Immer wieder spielt sie mit der Mimik. Sie kennt ihre Texte sehr gut. Sie stolpert nicht. Was ich, bei dieser Länge von Text sicherlich noch nicht einmal mit auswendig gelernten Texten kann. Nach der Lesung werden die jungen Künstler von der Lokalredaktion der Rheinischen Post interviewt.

Ich mache mich wieder auf den Weg zum TiG zurück, auf dem Weg liegen noch zwei Lokale, die ich noch nicht besucht habe. Wir betreten die Ausstellung von Laura Laermann, die selber leider nicht da ist. Ich kann kein erkennbares Muster finden, es sind nicht nur Zeichnungen, sondern Kunst aller Art zugegen. Die 19-jährige Mönchengladbacherin schneidert, malt zeichnet und verändert Objekte aus ihrer Umgebung. Was sie kreiert entscheidet die Communication und Multimediadesign Studentin während es Schaffungsprozesses. Sie sagt: ‘wenn man vorher schon genau weiß, wie es werden soll (…), kann man sich selber nicht mehr überraschen”

Die nächste Ausstellung zeigt unter anderem eine Videoinstallation der Schülerin Karin Kaczykowski. Beim betreten des Lokals werden wir selbst Teil eines Projektes, indem wir durch ein Glow-in-the-dark Pulver laufen und dieses im Raum verteilen. Ihre Arbeiten variieren sehr stark. Neben der Videoinstallation gibt es Fotografien und Skulpturen. An einer Wand hängen drei kleine Blätter mit bunten “Klecksen”. Erst beim genaueren Hinschauen sieht man, dass sich Gesichter in den Farbflächen befinden. Ein anderes Werk zeigt ein Gesicht aus Nähgarn gelegt. Die Künstlerin sitzt auf einem Stuhl in der Ecke. Die Besucher bilden einen kleinen Halbkreis um sie. Über ihr hängt eine Fotocollage, aus verschiedensten Bildern, die zusammen wieder das Portrait eines Gesichtes ergeben. Auch hier muss man zweimal hinschauen, um zu erkennen, dass es nicht einfach nur Ausschnitte von Bilder der selben Person sind, sondern tatsächlich verschiedene Menschen einen Teil zu dieser Collage beigetragen haben.

Im TiG angekommen erwartet mich nun der Auftritt des Standup Comedian Fabian Hintzen. Einer der bekanntesten Künstler dieses Abends. Der Mönchengladbacher steht nun schon seit einigen Jahren auf Deutschlands Comedy Bühnen. Er erzählt von den typischen Teenager-Problemen mit seinen Eltern. So wie er z.B. unter der Vermutung, dass sein Vater mit Ihm über Sex reden wolle, sich sehr wunderte als sein Vater sagte, dein Onkel ist auch ganz schlecht, frag deine Mutter. Zur Auflösung brachte er schließlich an, dass sein Vater über die Deutschnote sprach. Diese klassischen Missverständnisse bilden sein überaus lustiges Programm.
Nach einer kleinen Pause spielen die beiden Bands aus dem Contest. Den Auftakt machen Close To Freedom. Die acht Schwalmtaler bringen die Bude zum Beben. Zwischendurch, als ich mich auf der Bühne für ein Foto abstütze befürchte ich, dass die Bühne kurz vor dem Einkrachen ist. Die Fünfzehn Minuten, die sie haben nutzen sie. Sie heizen dem Publikum dermaßen ein. Sie sagen über sich selber: “Reggae und Ska sind unsere Sprachen, diese einzige, wunderschöne Welt unser Lebensraum, die Band wie unsere Familie, die Musik unser Leben. Deswegen kennen wir keine Alternative, wir sind Close to Freedom!” (Close To Freedom) Bis zu diesem Zeitpunkt war mein persönlicher Favorit Simon Wollenberg. Doch diese acht Musiker können tatsächlich meine Meinung ändern.
Besagter Simon Wollenberg spielt anschließend. Ich habe ihn im Vorfeld mir angehört. Sein Stil, dieses Singer/Songwriter ist absolut mein Fall. Zugegebener Maßen, habe ich mich auf seinen Auftritt, seit ich einen Song von ihm gehört habe gefreut. Doch leider wurden meiner Erwartungen nicht erfüllt. Der Headliner des Abends war Thomas Allan. Ein halb britisch halb deutscher Singer Songwriter aus Mönchengladbach. Ein Musiker der die professionellen Studioaufnahmen ablehnt, weil die seinen Sound glatt bügeln. Er erhält sich seinen rauen Sound und damit die Authentizität durch eigen Aufnahmen in seinem Keller. Er und seine Band sind so freundlich und lassen sich direkt und ich meine wirklich DIREKT nach deren Gig Fotografieren. Das ehrliche Foto nach dem Gig, dafür danke ich den dreien.

Bevor ich das Festival verlasse steht nun noch die Bekanntgabe des Siegers im Raum. Close To Freedom gewinnen den Contest und somit dieses Jahr beim Horst dabei. Ihr könnt euch vorstellen wie sehr jetzt die Bühne gebebt hat.

Mehr Infos zum Potpourri findet ihr auf www.potpourrifestival.de



am 23. März 2013 um 18:11

Ich male meine Bilder mit Acrylfarbe, nicht mit Öl. Sonst aber ein schöner Text ;) MfG

am 6. Januar 2014 um 21:31

Hii, habe mich hier gerade zufällig entdeckt und finde schön, was du über mich und meine Texte geschrieben hast :-) Da ist wohl ein Buchstabendreher in meinem Nachnamen :D Liebe Grüße, Anna

am 9. Januar 2014 um 11:34

Hey Anna, danke für den Hinweis, ich hoffe ich habe es nun richtig korrigiert ;-)

LG Timo