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Ein Koffer für die letzte Reise

>>Im letzten Moment zählt nur die Liebe; Sie ist das, was überdauert. Alles andere brauchst du nicht (mehr)!<<
Lilo Rühl

Diese wenigen Worte stehen auf einem DIN-A-4 Blatt. Schon fast ein wenig verloren. “Reisespezialistin” steht unter der Überschrift ÜBER MICH. Oben rechts in der Ecke neben dem Namen klebt eine quadratische schwarzweiß Photographie eines freundlich lachenden Gesichtes. Dieses Blatt Papier hängt über einem offenen Koffer. Im Deckel “klebt” eine rote Rose, ein einzelnes Blütenblatt scheint die Blume zu verlassen und hängt daneben. Ein kleiner Zettel mit dem Aufdruck “Nichts als die Liebe” klemmt hinter der Rose. Dieser Koffer und der Text, die Selbstbeschreibung auf dem Blatt Papier gehören zu einer Ausstellung, die vom 10. bis zum 30. November in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche lief. Die Ausstellung trug den Titel “Ein Koffer für die letzte Reise”. Eine Kooperation zwischen dem RBB und der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die im Rahmen der ARD-Themenwoche “Leben mit dem Tod” entstand. Initiator dieser Ausstellung ist der Bestatter und Trauerbegleiter Fritz Roth. Es wurden rund 100 Koffer gezeigt, die für die letzte Reise von unterschiedlichsten Menschen gepackt wurden.
Im Rahmen meines Berlin Besuchs, sah ich zunächst nur den wirklich spektakulär aussehende, mit blauen Fenstern bestickte sechseckige Turm. Es dauerte einen kleinen Moment, bis ich begriffen habe, dass dieser Turm zu einer Kirche gehört. Als ich um das Gebäude gegangen bin, wurde ich auf die Ausstellung aufmerksam. Anfangs habe ich mich etwas geziert diese Ausstellung zu besuchen. Das Thema Tod ist nur zu oft allgegenwärtig in meinem Leben, vor allem in den letzten zwei Jahren. Nach einem kleinen inneren Ruck, habe ich mich letztlich doch dazu entschlossen die Ausstellung zu besuchen. Auch wenn ich über viele Exponate nur einen flüchtigen Blick habe schweifen lassen, haben mich die Vielfalt der Koffer und die dazugehörigen Texte doch überrascht. So enthielt ein Koffer ein Sammelsurium von Kuriositäten neben Literatur unterschiedlichster Art. Alles Stücke, die für den Besitzer des Koffers wichtig sind, ihn durch sein Leben begleitet haben, Kraft gegeben haben und ihn “in die Endlichkeit begleiten” werden. Erinnerungen an ein ausgefülltes und Kraft gegebenes Leben. Ein anderer Koffer wiederrum enthält ein Olivenholzkreuz, ein Blatt Papier und einen Füller. Das Kreuz stammt aus Jerusalem, ein Zeichen des Glaubens. Für mich bedeutet es, dass der Besitzer des Koffers die Kraft nach dem Tod in den Glauben legt. Das Papier ist ein “wunderbares Papier, handgeschöpfte Bütten”. In Kombination mit dem Füller aus dem Elternhaus ist es so möglich, von der letzten Reise Kontakt zu den Angehörigen aufzunehmen. Und von der letzten Reise zu berichten. Ein weiterer Koffer enthält lediglich ein Kreuz. “Gebete braucht man dringend” sind die einzigen Worte des Besitzers. Klare, einfache Worte, die im Glauben manifestiert sind. Der Kurioseste Koffer enthielt unzählige Nutellagläser. Nicht unzählige, aber immerhin bis zum Rand gefüllt. Sie wurden gepackt “für den Fall, dass das Jenseits nicht beliefert wird”.

Alles in Allem zeigte diese Ausstellung, dass jeder anders mit dem Thema umgeht. Dass für jeden eine Gewichtung dessen, was er mitnehmen möchte anders liegt. Zum einem im Glauben manifestiert, zum anderen losgelöst vom kirchlichen Glauben. Aber alle haben eins gemeinsam. Alle gehen davon aus, dass diese letzte Reise bewusst erlebt wird und, dass das Sein mit dem Tod nicht endet.